Warum fühlen wir uns gestresst, obwohl die Lebensbedingungen besser sind als früher

Sommer, Sonne, Stress – Viele Menschen sehnen ihren Urlaub herbei. Kein Stress, einfach einmal abschalten und die Seele baumeln lassen. Doch warum fühlen die Menschen sich gestresster, obwohl es ihnen materiell gut geht? Auf der „Sinn des Lebens Konferenz 2018“ referierte Prof. Dr. Gregor Hasler, Chefarzt des Freiburger Netzwerks für Psychische Gesundheit, Stressforscher und Autor über die Zunahme des gefühlten Stresses und die Ursachen. Denn im Vergleich zu den Lebensumständen der vorherigen Generationen sind die Menschen heute keinen wesentlich größeren Belastungen ausgesetzt. Sie haben häufig mehr Freizeit und auch eine bessere medizinische Versorgung und somit eine gesteigerte Lebenserwartung. Dennoch fühlen viele sich gestresst – beruflich und auch privat.

Gefühlter Stress kann krank machen

Der sogenannte gefühlte Stress geht laut Prof. Hasler auf die nun höheren Erwartungen des gesellschaftlichen und persönlichen Umfeldes zurück, wie er in einem Beitrag des Tages-Anzeigers* beschreibt. Das Leben der Menschen heute ist von einem Ringen um sozialen Status geprägt, dem das menschliche Gehirn nicht dauerhaft standhalten kann. Dieser zieht sich durch das Berufs- und Privatleben gleichermaßen. Es besteht der Anspruch, beruflich und privat, stets erfolgreich und gut gelaunt, kreativ und motiviert zu sein und darüber hinaus auch auf den sozialen Netzwerken zu kommunizieren und rasch zu reagieren. Diese selbst- und fremdauferlegte Dauerbelastung stresst den Menschen und kann zur Entstehung von psychischen und auch körperlichen Erkrankungen beitragen.

Man muss auch einmal abschalten

„Das merken wir auch in unserem therapeutischen Alltag. Die Patientinnen und Patienten haben Probleme damit, abzuschalten – auch das Handy. Der Druck, immer informiert und erreichbar zu sein, ist sowohl beruflich als auch privat problematisch und muss unter Umständen therapeutisch bearbeitet werden,“ erklärt Dr. med. Karin Wäsch, die in der privaten BetaGenese Klinik einerseits psychotherapeutisch arbeitet und auf der anderen Seite als Allgemeinmedizinerin unter anderem für die somatische Untersuchung und Versorgung zuständig ist.

Dr. med. Karin Wäsch im Gespräch mit einem Patienten.

„Besonders in der Adoleszenten- und Transitionspsychosomatik arbeiten wir hier daran, den jungen Menschen mit psychosomatischen Beschwerden einen gesunden Umgang mit Medien und Kommunikation zu vermitteln,“ so die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Allgemeinmedizin der Klinik in Bonn am Rhein weiter. Mehr über das therapeutische Angebot erfahren Sie hier.

 

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