Warum Urlaub so wichtig ist – ein Kommentar von Carsten Albrecht

Sommer, Sonne, Sonnenschein und – ein längeres Leben? Eine Langzeitstudie* unter männlichen Führungskräften ergab, dass unter den Studienteilnehmern diejenigen früher verstarben, die weniger als drei Wochen pro Jahr Urlaub machten. Auch diejenigen unter ihnen, die ansonsten einen gesunden Lebensstil pflegten, konnten dadurch den körperlichen Erholungsmangel nicht ausgleichen. Warum Auszeiten so wichtig sind, weiß Carsten Albrecht, leitender Oberarzt der BetaGenese Klinik in Bonn.

Gerade Führungskräfte tragen viel Verantwortung, müssen motivieren, wirtschaftlich denken und für das Unternehmen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auch sich selbst zahlreiche Entscheidungen treffen. Ein fordernder, stressiger Alltag, der unter Umständen auch krank machen kann. „Der Körper reagiert ganz individuell auf andauernden Stress,“ erklärt Carsten Albrecht. „Kardiovaskuläre Erkrankungen und Übergewicht sind ein häufiges ‚Managerproblem‘. Aber auch die Psyche leidet unter dem ständigen Druck. Daraus können Depressionen, Burn-out und Erschöpfungssyndrome entstehen,“ so der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie weiter.

Daher ist es wichtig, regelmäßig abzuschalten und sich Auszeiten zu gönnen, „und das nicht nur als Führungskraft. Im Therapiealltag mit den Patienten sehen wir, wie wichtig und heilend es bei bestimmten Krankheitsbildern ist, aktive Entspannung zu lernen,“ so Carsten Albrecht weiter. „Denn wie die Studie zeigt, kann ein gesunder Lebensstil das Erholungsdefizit nicht kompensieren. Zu viel zu tun, kann krank machen und auch zum früheren Tod führen, wie die Forscher anhand der Studienergebnisse sehen.“

Für die „Helsinki Businessmen Study“ wurden in den Jahren 1974 und 1975 Männer zwischen 40 und 55 Jahren in anspruchsvollen Führungspositionen rekrutiert. Man teilte sie in zwei Gruppen. Eine erhielt regelmäßige Fitness- und Gesundheitstipps und bei Bedarf Medikamente gegen Bluthochdruck oder zu hohe Blutfettwerte. Die zweite Gruppe lebte und arbeitete weiter wie bisher. Obwohl die Herzkrankheiten in der Gruppe mit Gesundheitstipps sanken, ergab die Studie, die mit einer Follow-up-Studie 1989 auf insgesamt 40 Jahre verlängert wurde, eine höhere Mortalitätsrate in der mit Tipps versorgten und medikamentös behandelten Gruppe als in der Kontrollgruppe. Die Studie wurde bis 2014 weitergeführt und die Sterblichkeitsrate blieb bis 2004 gleich. Danach erst passten sich die Sterbewahrscheinlichkeiten an.

Die Forschergruppe um Professor Dr. Timo Strandberg, Universität Helsinki, schauten sich die Daten beider Gruppen noch einmal an und verglichen unter anderem das Arbeits- und Urlaubsverhalten. Sie erkannten, dass Studienteilnehmer im Alter zwischen 40 und 85 Jahren, die weniger als drei Wochen pro Jahr Urlaub machten, mit einer 37 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit zwischen 1974 und 2004 versterben würden als Probanden mit mehr Urlaubtagen. Egal, ob der Lebensstil besonders gesund war oder nicht.

„Früher wurde die Stressreduktion noch nicht so stark in die Präventivmedizin eingebunden wie heute. Daher hat sich die Todeswahrscheinlichkeit ab 2004 vermutlich auch angepasst,“ so Carsten Albrecht zur Studie. „Erholung ist wichtig, um gesund zu bleiben. Und längere Urlaubsauszeiten können stressanfälligen Menschen dabei helfen, die Anfälligkeit für Erschöpfungskrankheiten oder ein Burn-out zu reduzieren,“ erklärt der leitende Oberarzt. „Mit einer gesunden Work-Life-Balance kann Stress aktiv reduziert und die eigene Lebenserwartung so verlängert werden.“

*Mehr über die Langzeitstudie erfahren Sie im Artikel zum Thema „Urlaub verlängert das Leben“ auf scinexx.de oder „Studie: Wer länger Urlaub macht, lebt länger“ auf aerzteblatt.de

Bildcredits: pan xiaozhen on Unsplash