Bipolare Störungen

Eine bipolare Störung bezeichnet eine Krankheit mit abwechselnden depressiven und manischen bzw. hypomanischen Phasen. Die klassische Form der bipolaren Störung ist durch euphorische, dysphorische oder depressive Stimmung, erregte oder gehemmte Emotionen sowie beschleunigte oder verlangsamte mentale Prozesse nicht nur im Denken, sondern auch in der Sprache, Motorik, und Verhalten der Betroffenen erkennbar. Heute zählt die bipolare Störung zu den zehn häufigsten weltweit geschätzten Erkrankungen, die zu einer Behinderung führen (WHO 2002).Nach der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) werden bipolare affektive Störungen nach drei Kriterien aufgeteilt.

1. Polarität (Depression, manisch, gemischt)
2. Ausprägung( abwechselnd, leicht-mittelschwer, schwer)
3. Vorliegen psychotischer Symptome: Wahn, Halluzinationen.

Ursachen einer bipolaren Störung

Als Ursachen einer bipolaren Störung zählen Veränderungen im Neurotransmitterhaushalt. Der Mangel an Serotonin und Noradrenalin führt zu einem Ungleichgewicht der Regulation im Hirnstoffwechsel und trägt somit zu der biochemischen Veränderung in dem Gehirn der Betroffenen bei. Allerdings kann aufgrund großer Unterschiede von keiner übereinstimmenden Verursachung ausgegangen werden.

Symptome einer bipolaren Störung

Eine bipolare Erkrankung beginnt in 60-70% der Fälle mit einer depressiven Episode, bei den restlichen 20-30% entwickelt sich dementsprechend eine manische Episode. Die Symptome einer bipolaren Störung sind folglich von der zeitweiligen Episode abhängig.

Depression:

Bei bis zu 70% der Patienten findet man Körperbeschwerden unterschiedlichster Art, die nicht selten auch Anlass zu somatischer Abklärung bieten können. Die Episode der Depression ist gekennzeichnet durch typische Symptome wie: Erschöpfung, Energielosigkeit, Antriebsmangel, Lustlosigkeit, gedrückte Stimmung, Niedergeschlagenheit, vermindertes Selbstbewusstsein, Selbstzweifel, vernachlässigen von alltäglichen Verpflichtungen, Verlust von Interesse und Freude, vermindertes Denk- und Konzentrationsvermögen, Schlafstörungen, Todes- und Suizidgedanken (jeder 4. Patient unternimmt einen Suizidversuch), vermindertes sexuelles Interesse

Manie:

Die Manie verkehrt die Aspekte der Depression ins Gegenteil. Alles erscheint einfach und das Selbstwertgefühl ist übersteigert. Nicht selten werden Symptome einer Manie fehlgedeutet und möglicherweise als schizophrene Symptome diagnostiziert, deshalb ist es notwendig sorgfältig diagnostische Einschätzungen vorzunehmen. In der manischen Episode treten Symptome wie gesteigerte Aktivität, Ideenflucht, zunehmende Ablenkbarkeit, Überhöhte Selbsteinschätzung, Gedankenrasen, Verlust sozialer Hemmungen, erhöhte Kreativität, Ruhelosigkeit, Unruhe, starkes Redebedürfnis, Hochstimmung, Euphorie, Reizbarkeit, Angespanntheit, vermindertes Schlafbedürfnis.

Behandlung der bipolaren Störung

Obwohl eine bipolare Störung eine häufige psychiatrische Erkrankung ist, ist es nicht immer einfach, eine richtige Diagnose zu stellen. Eine chemische Untersuchungsmethode oder ein bildgebendes Verfahren werden hier leider ausgeschlossen. Um trotzdem eine eindeutige Diagnose zu stellen bedient man sich durch eine umfangreiche Befragung der Betroffenen und evtl. der nächsten Angehörigen und Freunde. Die Anamnese, sollte einen genauen Bericht über das Leben des Patienten enthalten. Wichtig ist, persönliche Beschwerden zu kennen. Für einen positiven Krankheitsverlauf, ist eine frühe Diagnose für den Verlauf der Krankheit sehr wichtig. Je früher eine adäquate Therapie stattgefunden hat, desto besser spricht der Betroffene auf die Behandlung der bipolaren Störung an. Aufgrund sehr gestreuter Symptomatik ist es wichtig eine Differentialdiagnose zu stellen, denn es gibt eine Reihe von organischen Erkrankungen, die ähnliche Symptome wie die bipolare Störung hervorrufen können. Deshalb ist für eine sichere Diagnose unbedingt auch eine körperliche Untersuchung notwendig. Um eine körperliche Ursache, wie etwa eine Fehlfunktion der Schilddrüse, auszuschließen, wird zusätzlich eine Blutanalyse oder Magnetresonanztomographie durchgeführt.

Im permanent wechselnden Zyklus von weltumfassender Euphorie und einsamer Verzweiflung, sollte es einem Psychiater darum gehen, den Patienten dort abzuholen, wo dieser sich emotional und kognitiv befindet. Deshalb gilt als Basis für jedes weitere Vorgehen eine Psychotherapie, die sich um ganzheitliche, biologische und biographisch bzw. situativ bedingte Faktoren des Wahrnehmens und Verstehens des Patienten bemüht. Die Entscheidung über einen Klinikaufenthalt sollte immer nach dem Grundsatz „ambulant vor stationär“ erfolgen. Im Folgenden seien stark verkürzt einige Behandlungsempfehlungen, wie sie auch von der Deutschen Gesellschaft für bipolare Störungen unter Zugrundelegung der Kriterien der Evidenz-basierten Medizin gegeben werden, aufgeführt.

Manie:

Üblicherweise werden bei akuten oder starken Manien Neuroleptika verabreicht (z.B. Haloperidol). Diese haben jedoch extrapyramidale Störungen als Nebenwirkung. Deutlich zuverlässiger wirken Atypische Neuroleptika (z.B. Risperidon, Quetiapin, Olanzapin, die ein deutlich geringeres Risiko hinsichtlich einer extrapyramidalen Störung zeigen. In der Aktphase wird Valproat mit Dosierungen von 1000-2000 und Lithium mit individueller Dosierung eindosiert. Zur Sezierung sind in der Akutphase Benzodiazepine geeignet.

Depression:

Bei akuten oder rasch wiederkehrenden Erscheinungen vieler Depressionen werden Antidepressiva, heute vorzugsweise mit selektivem Serotonin, Reuptake-Inhibitoren (SSRI), aber auch Trzyclika verabreicht, die die Konzentration des Dopamins nicht erhöhen. Durch Behandlung mit Antidepressiva kann die Episode der Depression in den Zustand der Manie übergehen und umgekehrt. Diese Umkehr wird auch unter dem Begriff „Switching“ verstanden. In der Regel sollte eine antidepressive Therapie nicht ohne Schutz durch eine Phasenprophylaxe- Medikation erfolgen. Eine wirksame Dosierung sollte für etwa 6 Monate aufrechterhalten werden. Neben der psychotherapeutischen Grundhaltung, bestehen auch Möglichkeiten gezielter psychotherapeutischer Interventionen.