Depression und Krise – Tipps für den Alltag von Patienten mit Depressionen

Depressive Menschen leiden unter einem starken Stimmungstief oder einem Gefühl der inneren Leere, aus dem sie sich selbst nicht mehr befreien können. Auch Schlafstörungen und unspezifische körperliche Beschwerden sind typisch. Bei einer Depression wirken verschiedene Faktoren – körperlicher, psychischer sowie psychosozialer Natur – zusammen. Unter neurobiologischer Perspektive spielen Veränderungen in der Regulation von Stresshormonen und Ungleichgewichte bestimmter Botenstoffe im Hirnstoffwechsel eine Rolle.

Wie entsteht eine Depression?

Neben der genetischen Veranlagung und neurobiologischen Erklärungen bilden bestimmte Entwicklungs- und Persönlichkeitsfaktoren (psychosoziale Faktoren) und ihr Zusammentreffen mit äußeren Belastungen die Basis der Depressions-Erklärungsmodelle. So können ein hoher Perfektionismus in Verbindung mit innerpsychisch konflikthaften Themen die Entstehung einer Depression begünstigen. Auf der anderen Seite können innere Ressourcen, das heißt, innere Kraftquellen einen gewissen Schutz beziehungsweise ein Gegengewicht gegenüber Depression bilden.

Krisen könne zu depressiven Anpassungsstörungen führen oder diese verstärken

Bei einem Teil der Patienten können Depressionen durch äußere Stressoren wie Krankheit, Verlust oder Krisensituationen ausgelöst oder verstärkt werden. Man spricht auch von einer depressiven Anpassungsstörung. Eine solche Krise wie die aktuelle COVID-19-Pandemie stellt Patienten, die in der Vergangenheit depressiven Episoden hatten oder an einer manifesten Depression leiden, vor besondere und neue Herausforderungen, die individueller Lösungsansätze bedürfen.

Oft gehen Patienten zu Beginn einer depressiven Phase mit uncharakteristischen Symptomen wie Müdigkeit, körperlicher Abgeschlagenheit oder auch Konzentrationsstörungen zum Arzt. Einige Betroffenen schildern ihre Gemütslage als Verzweiflung oder Hoffnungslosigkeit, andere empfinden eine allgemeine Antriebs- und Lustlosigkeit.

Isolation kann psychische Probleme fördern

Die COVID-19-Pandemie stellt die häufig nicht bewusste Annahme, im Leben die Kontrolle zu haben in radikaler Weise in Frage. Das Aushalten von Unwägbarkeiten aber auch die notwendigerweise getroffenen Regelungen, Einschränkungen und Veränderungen im gesellschaftlichen sowie persönlichen Umfeld sind für viele Menschen neu und ungewohnt. Viele werden neben der Angst um die eigene Gesundheit – oder die ihrer Angehörigen – auch mit wirtschaftlichen Existenzängsten konfrontiert. Menschen mit Depressionen nehmen Negatives viel stärker wahr und fokussieren sich darauf. Aktuelle Schutzmaßnahmen können dies paradox verstärken. Denn Isolation, Homeoffice und der Mangel an Kontakten nehmen wichtige äußere Reize und Impulse aus dem Alltag der Betroffenen, die sich grundsätzlich positiv auf die Gedanken- und Stimmungswelt auswirken können. Doch es gibt Mittel und Wege, wie Betroffene auch in der heutigen Situation versuchen können, einer inneren Passivität oder depressiven Verfassung vorzubeugen und sich ein realistisches Bild der Lage zu verschaffen.

Maßnahmen gegen leichte depressive Verstimmungen

„Festen Zeiten für die Bereiche Beruf, Freizeit und Mahlzeiten geben dem Tag Routine und Struktur. Telefon- oder Videotelefonie-Termine mit Freunden und der Familie oder Online-Foren bieten kommunikativen Austausch und eine Runde Jogging oder ein Spaziergang am Nachmittag liefert Bewegung und frische Luft. All das kann sich auch in Krisenzeiten positiv auf die Psyche auswirken“, erklärt Dr. Christian Koch, Oberarzt und Facharzt für Psychosomatische Medizin in der BetaGenese Klinik in Bonn. Weitere Tipps finden Sie auf der Seite der Stiftung Deutsche Depressionshilfe unter deutsche-depressionshilfe.de/corona

Psychische Erkrankungen als Folge der Krise

Mediziner gehen davon aus, dass Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen während der COVID-19-Pandemie zunehmen werden. Sie sind die Reaktion des Körpers auf eine erhöhte psychische Belastung. Dr. Christian Koch: „Eine Herausforderung unseres Gesundheitssystems wird – neben der essenziellen medizinischen Betreuung der Corona-Erkrankten – auch die akute psychotherapeutische Behandlung sein. Neben einer Beratung wird es um die Einschätzung der Schwere und die weitere Beobachtung gehen: Kann ein Patient im Rahmen ambulanter Gespräche wieder genügend Zugang zu seinen inneren Ressourcen entwickeln, also einen aktiven Umgang finden? Bei welchen Patientinnen und Patienten geht es nicht um noch mehr aktive Bewältigung, sondern vielmehr um eine gewisse Toleranz für die gegenwärtige Unsicherheit? Besteht Aussicht, dass die Beschwerden mit dem Ende der Krise wieder verschwinden? Und besteht wegen der Schwere der Symptome und weil eine ambulante Behandlung nicht ausreicht die medizinische Notwendigkeit für eine weitergehende multimodale stationäre Behandlung?“

Depressionen in der BetaGenese Klinik behandeln

In der BetaGenese Klinik in Bonn können Patientinnen und Patienten mit schweren Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen nach entsprechender Einweisung durch ambulante Psychiater oder Psychotherapeuten stationär behandelt werden. Eine rein teilstationäre Behandlung wird aktuell von uns mit Blick auf die gesellschaftliche Verantwortung zur Minderung der Ansteckungsrate nicht durchgeführt, wird aber in absehbarer Zeit wieder möglich sein.

Jeder Therapieplan wird aus einer individuellen Zusammenstellung verschiedener Therapiebausteine aus Psycho-, Körper- sowie verschiedenen Kreativtherapien wie auch medizinischer und wo sinnvoll auch pharmakologischer Zugangswege nah an den Bedürfnissen der Patienten erarbeitet. Ein Ansatz, der sich bewährt hat. Hierfür arbeiten die Experten auch eng mit den behandelnden ambulant arbeitenden Kollegen zusammen, um langfristige Behandlungserfolge zu erzielen und zu erhalten.

Hier erfahren Sie mehr über unser Behandlungskonzept bei Depressionen