Chronische Depressionen – CBASP-Ansatz

Allgemeine Information zur chronischen Depression

Depressive Erkrankungen nehmen bei ca. einem Drittel aller Fälle trotz medikamentöser und/oder psychotherapeutischer Behandlungsversuche einen chronischen Verlauf (d.h. eine Dauer von mehr als 2 Jahren). Die Auswirkungen dieser Störungen übertreffen die von Depressionsformen, die in Episoden auftreten und dann wieder abklingen um ein Vielfaches. Denn chronische Depressionen führen unter anderem zu noch ausgeprägterer psychosozialer und beruflicher Beeinträchtigung. In mehr als 70% der Fälle beginnt die Störung bereits vor dem 21. Lebensjahr, verläuft häufig lebenslang und steht meist im Zusammenhang mit frühen Belastungen in der Kindheit. Zusätzliche Belastungsfaktoren wie z.B. somatische Erkrankungen (chronische Schmerzen, Folgen einer Covid Infektion, Operationen, Stoffwechselerkrankungen, Krebserkrankungen) können zu einer Zuspitzung der depressiven Symptomatik führen oder einzelne Krankheitssymptome der Depression verstärken. Während noch vor einigen Jahren der chronifizierte Verlauf einer Depression therapeutisch als schwer zu beeinflussen galt, gibt es mittlerweile erfolgreiche Therapiemethoden.

 

Menschen, die an einer chronischen Depression leiden, lassen sich durch die folgenden kognitiven Veränderungen charakterisieren:

  • ein chronisch niedriger Selbstwert,
  • eine generalisierte Hoffnungslosigkeit,
  • Gedächtnis- und Erinnerungsprobleme,
  • die mangelnde Fähigkeit zum genauen Beobachten und zur Selbstwahrnehmung sowie
  • eine mangelhafte Erfahrungsverarbeitung.

 

Die chronische Depression kann in fünf Verlaufsmuster eingeteilt werden:

  1. Dysthyme Störung

Dabei handelt es sich um eine Erkrankung schwacher bis mittelschwerer Ausprägung von zwei oder mehr Jahren Dauer, die gewöhnlich während der Adoleszenz beginnt.

  1. Double Depression

Hierbei handelt es sich um eine einzelne Episode einer Major Depression oder eine rezidivierende Major Depression ohne zwischenzeitliche vollständige Remission. Zuvor bestand eine dysthyme Störung.

  1. Rezidivierende Major Depression

Die länger als zwei Jahre ohne volle Remission zwischen den Episoden anhält.

  1. Chronische Major Depression

Die vollen Kriterien für eine Episode einer
Major Depression bestehen durchgehend über zwei oder mehr Jahre.

  1. Double Depression/Chronische Major Depression

Ein fünftes Verlaufsmuster (McCullough et al., 2003) wurde in den Vereinigten Staaten gefunden, und zwar in einer Patientenkohorte, die bei der Eingangsuntersuchung die Kriterien sowohl einer Double Depression als auch einer chronischen Major Depression erfüllte.

 

Das Psychotherapieverfahren

Bei dem Cognitive Behavioral System of Psychotherapy / CBASP (= Verhaltensanalyse-System) handelt es sich um eine Therapieform, die gezielt auf chronisch depressive Personen zugeschnitten ist. Man geht davon aus, dass bei chronisch depressiven Patienten ein veränderter individueller Entwicklungsverlauf vorliegt, der eine Folge von frühen ungünstigen Entwicklungsbedingungen (z.B. andauernde psychische Verletzungen, Vernachlässigung, Missbrauch) ist. In der Folge entstehen bewusste und unbewusste Probleme bei der Selbstwahrnehmung und der Wahrnehmung von zwischenmenschlichen Erfahrungen. Oft haben sich die Betroffenen einen Kommunikations- und Verhaltensstil im zwischenmenschlichen Umgang angeeignet, der neue Probleme mit sich bringt, so dass spätere soziale Kontakte unbefriedigend verlaufen und zunehmend vermieden werden. Es kommt zu einer langanhaltenden Freudlosigkeit, einem verminderten oder sogar aufgehobenem Antrieb, sowie zu einem Interessensverlust, der die Lebensqualität eines Menschen maßgeblich einschränken kann.

 

Der CBASP-Ansatz geht folgendermaßen auf die spezifischen Charakteristika chronischer Depressionen ein:

  • Die wichtigsten lebensgeschichtlichen Themen werden zusammengestellt und es wird besprochen, wie sie sich im gegenwärtigen Leben auswirken.
  • Situationen, die unbefriedigend verlaufen oder wo man von anderen nicht das bekommt, was man sich wünscht, werden aufgeschlüsselt, um erfolgreiche Lösungen dafür zu finden.
  • Hartnäckige ungünstige Verhaltensmuster, die bisher kaum beeinflussbar schienen, werden verändert.
  • Die Patienten werden angeleitet, ihre Wirkungen auf die Umwelt wahrzunehmen. Dazu bringt sich der Therapeut persönlich ein, um die Wirkung der Patienten auf sich selbst in einer nicht-verletzenden Art zurückzumelden.

 

In der Therapie soll also gelernt und trainiert werden, die zwischenmenschlichen Auswirkungen seines eigenen Verhaltens zu erkennen und gezielt Probleme zu lösen. Vermeidendes Verhalten und daraus folgende Hilflosigkeit sollen durch eine aktive Haltung ersetzt werden. Die Betroffenen lernen zu erkennen, was sie bei anderen auslösen und was andere bei ihn auslösen, um schließlich von anderen das zu bekommen, was man sich wünscht.

 

Herr Swen Bauer, leitender Oberarzt in der BetaGenese Klinik hat eine Zertifizierung als CBASP-Therapeut (nach James P. McCullough, Jr.) und bietet diese Behandlungsmethode unseren stationären Patienten an.