Migräne

Die Migräne ist eine episodische Kopfschmerzerkrankung, die unterschiedlich schwer chronifiziert werden kann.
Der Schmerz tritt oft attackenartig auf einer Seite des Kopfes auf und ist in Häufigkeit, Dauer und Intensität sehr unterschiedlich.
Er kann vereinzelt, einmal bis mehrmals im Monat auftreten und zwischen wenigen Stunden bis hin zu mehreren Tagen dauern.
Überwiegend wird der Schmerz als hämmernd-pulsierend und sich bei Bewegung verstärkend beschrieben.

Ursache für Migräne

Migräne ist eine biologisch bedingte Funktionsstörung des Gehirns, der Hirnhäute sowie der diese versorgenden Blutgefäße.
Als Ursache für Migräne werden verschiedenen Hirnarealen, hier vor allem dem Hirnstamm eine Übererregbarkeit, bzw. Dysfunktion nachgesagt, die eine Kaskade von schmerzauslösenden Prozessen nach sich zieht.
Vor allem ist von einer Störung des Serotoninregelkreislaufs auszugehen, begleitenden Entzündungsmechanismen, Reaktionen des trigeminalen und neurovaskulären Systems sowie Veränderungen kortikaler Erregbarkeit und verstärkter Schmerztransmission.
Eine genetische Disposition mit familiärer Häufung liegt vor, allerdings im Sinne einer komplexen, polygenetischen Anlage sehr unterschiedlicher Ausprägung.

Symptome einer Migräne

Eine Migräneattacke durchläuft mehrere Phasen, dadurch sind die Symptome einer Migräne sehr umfangreich. Um einen besseren Überblick gewinnen zu können, ist es ratsam alle Phasen zu durchleuchten.

Zunächst erlebt der Betroffene die Startphase, diese tritt bis zu 24 Stunden vor dem eigentlichen Kopfschmerz auf. In dieser Phase belaufen sich die Symptome der Migräne auf psychische, neurologische und vegetative Erscheinungen, wie Beispielweise Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen, Müdigkeit, Unruhe, Konzentrationslosigkeit oder eine Leistungssteigerung. Auch Symptome wie Lichtempfindlichkeit, Wortfindungsstörungen, Heißhunger, Appetitlosigkeit und Verstopfung oder Durchfall sind Begleiterscheinungen der Vorbotenphase.

Bei etwa 15 % der Migränepatienten tritt schon kurze Zeit später die nächste Phase ein, die sogenannte Auraphase. In dieser Phase treten neurologische Phänomene, wie wandernde Skotome, Sprach- und Sehstörungen sowie Sensibilitätsstörungen und sogar Lähmungen auf.

Die Kopfschmerzphase zeichnet sich dann durch pulsierende, pochende Schmerzen auf einer oder beiden Seiten des Kopfes aus. Auch Übelkeit, allgemeine Reizempfindlichkeit und psychophysische Belastbarkeit beschreiben die Symptome einer Migräne.

In der Phase „danach“ treten Symptome, wie lange Schlafphasen, Erschöpfungsgefühl oder aber auch gute Laune auf.

Es gibt aber auch große Abweichungen, die oft die Diagnose verschleiern oder verzögern :
z.B. fehlt nicht selten komplett die Übelkeit, die „Aura“ ist sowieso nur selten vorhanden ;
es kann bei ein und demselben Patienten Attacken mit und ohne Aura geben, ebenso Auren ohne nachfolgende Kopfschmerzen, die Aura kann auch nach den Kopfschmerzen kommen.
Gerade die Tatsache, dass zu Beginn oft heftige Nackenverspannungen erlebt werden, verleitet zu der Fehldiagnose „Spannungskopfschmerz“, vor allem, wenn dann auch die Übelkeit fehlt.

Behandlung einer Migräne

Nach wie vor ist sich ein großer Teil Betroffener überhaupt nicht bewusst, an einer Form der Migräne zu leiden, ein weiterer kennt keine passenden Behandlungsmöglichkeiten. So ist zur Verbesserung der Lebensqualität von Migränepatienten eine gute und individuelle medizinische Aufklärung über die verschiedenen Erkrankungserscheinungen, den individuellen Verlauf und die differenzierten Behandlungsmöglichkeiten notwendig.

Zur Behandlung einer Migräne stehen inzwischen einige gezielt wirksame Medikamente zur Verfügung, die mit einem fachkompetenten Arzt ausgesucht und besprochen werden sollten.

Wenn ein Patient durchschnittlich 10 oder mehr Tage pro Monat an Migränekopfschmerzen leidet, wird eine medikamentöse Prophylaxe-Medikation angeraten. Auch hier kann aus verschieden Substanzgruppen ausgewählt werden.

Nach erfolgter Medikation ist für einige Stunden unbedingt Ruhe einzuhalten.

Zusätzlich sind auch nichtmedikamentöse Prophylaxe-Maßnahmen oft wirksam und sinnvoll.
Sie wirken aber ebenfalls interindividuell unterschiedlich und sind so von unterschiedlichem Nutzen. Dementsprechend müssen sie interaktiv zwischen Arzt und Patient herausgefunden und ausprobiert werden.
Hierzu zählt vor allem das Bio- bzw. Neurofeedback-Verfahren , es ist in seiner Wirksamkeit wissenschaftlich belegt und bietet vielfältige an den Patienten angepasste Anwendungsmöglichkeiten
Im Weiteren wäre zu nennen:
Triggerfaktorenkontrolle/Vermeidung, Entspannungsverfahren,
Sport, Stressbewältigungsmanagement, Akupunktur

Psychosomatische Aspekte:

Die Migräne ist keinesfalls eine psychisch/psychosomatisch verursachte Erkrankung. Ebenso wenig gibt es eine hierzu disponierte „Migränepersönlichkeit“.
Diese Kopfschmerzerkrankung ist eine komplexe biologisch/genetisch bedingte Funktionsbesonderheit des Gehirns.
Allerdings existiert wie grundsätzlich bei allen Erkrankungen ein dauerhaftes Wechselspiel zwischen körperlichen und psychischen Ereignissen, die den Verlauf beeinflussen.
Diese „Tatsache“ wird zunehmend durch die neueren Erkenntnisse der Epigenetik und ihres Einflusses auf „Pathologie und Salutogenese“ wissenschaftlich untermauert.

Somit ist es in jedem Fall sinnvoll und zielführend, wenn die Migräne ein die Alltagsbelastbarkeit einschränkendes Ausmaß erreicht hat, ein fachübergreifendes Schmerztherapiezentrum aufzusuchen um ein persönliches Konzept im Umgang mit seinen Beschwerden zu finden.
Hier ist die große Gefahr möglicher Komplikationen, vor allem der Chronifizierung einer Kopfschmerzerkrankung zu nennen, die durch rechtzeitige medizinisch-kompetente Hilfe deutlich reduziert werden kann, wie zum Beispiel in einer psychosomatischen Fachklinik mit Schwerpunkt Schmerz.