Psychologische Testung: Diagnosen sichtbar machen

Ein Knochenbruch wird geröntgt. Beschwerden im Bauchraum werden mit dem Ultraschall untersucht. Ein Blutbild gibt Aufschluss über die Entzündungswerte im Körper. Doch was machen die Spezialisten, um psychische oder psychosomatische Symptome greif- oder sichtbar zu machen? Eine psychologische Testung – ein empirisch gestütztes Testverfahren – gibt Aufschluss über die psychische Belastung oder den Schweregrad einer Depression des Getesteten.

Die BetaGenese Klinik in Bonn führt bei ihren Patienten zwei Testungen durch, das Beck-Depressions-Inventar-II (kurz: BDI-II) und den Symptom-Cheklist-90-Standard (SCL-9-S). Beide Tests werden am Anfang und kurz vor Ende der Behandlung vom Patienten in Papierform ausgefüllt. Der frühe Test zeigt den Ist-Zustand und unterstützt die Mediziner und Therapeuten bei der Behandlungsplanung und Einschätzung des Krankheitszustandes. Der Abschluss-Test zeigt den Therapiefortschritt und -erfolg – auch für den Patienten –  auf und gibt einen Ausblick über das weitere Vorgehen für die weiterbehandelnden Ärzte.

Mit Martina Matysiak verfügt die Klinik seit August 2017 über eine erfahrene Psychologin, die ihr Steckenpferd in der Diagnostik sieht. „Depressionen sind heutzutage eine häufige Diagnose. Mit dem BDI-II können wir durch die Selbsteinschätzung des Patienten über den Grad der Depression in einem einfachen Fragebogen ermitteln.“ Ein Fragebogen fühlt sich für den Patienten anonymer an, als ein direktes Gespräch. „Natürlich wissen sie trotzdem, dass die Bögen ihnen zugeordnet werden. Für viele ist es jedoch einfacher umzusetzen, etwas auf einer Skala anzukreuzen, als es im Gespräch zu verbalisieren und Worte zu finden.“ Anschließend werden die Daten der Selbsteinschätzung, deren Zeitraum sich auf zwei Wochen beläuft, ausgewertet. Daraus errechnet sich ein Gesamtwert, der den Schweregrad der Depression anzeigt. Diese wird dann individuell in der BetaGenese Klinik behandelt.

„Der zweite Test, der zur standardisierten psychologischen Testung gehört, ist der SCL. Er ist umfangreicher und generalisierter, da er in 90 Items den Grad der ganzheitlichen, individuellen psychischen Belastung sichtbar macht.“ Diese Testung fragt Werte in neun Bereichen ab, die Aufschluss über empfunden Aggressivität/Feindseligkeit, Ängstlichkeit, Depressivität, paranoide Denkweise, phobische Angst, Psychotizismus, Somatisierung, Unsicherheit im Sozialkontakt und die Zwanghaftigkeit des Befragten geben. „Der Test bezieht sich auf die letzten sieben Tage. Viele Patienten generalisieren diese Antworten jedoch, was wir anschließend im Gespräch aufarbeiten.“ So erhält Martina Matysiak ein differenziertes Bild des Patienten, den sie noch gar nicht persönlich kennt und kann mit den Hinweisen, die die Auswertung ihr liefert, arbeiten.

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Martina Matysiak vergleicht die Kurven der beiden Befragung. Übereinander gelegt zeigen sie die Entwicklung der Selbsteinschätzung des Patienten.

„Diese Testverfahren machen die Diagnose sichtbar und objektivierbar. Der Patient hat nicht nur die Diagnose des behandelnden Arztes oder Therapeuten, sondern auch ein Ergebnis, dass sich auf ausgewertete Daten im Rahmen eines erprobten und fundierten Testverfahrens bezieht.“ Die Auswertung erfolgt in einem Kurven-Diagramm. Die Kurve neigt sich, je nach Antwort, mehr oder weniger ausgeprägt in bestimmte Richtungen – je nach Akzentuierung es Patienten. Nach der zweiten Befragung am Ende der Behandlung kann man die Kurven übereinanderlegen und sehen, was die Therapie in der Selbsteinschätzung des Patienten bewirkt hat.

Ein Testverfahren ermöglicht es, Status und Verlauf eines Krankheitsbildes wissenschaftlich fundiert und standardisiert erkenn- und nachvollziehbar zu machen. Das hilft Patienten und Therapeuten gleichermaßen, sich aufeinander einzustellen und gemeinsam zielgerichtet an der individuellen Genesung zu arbeiten.