Borderline-Syndrom

Das Wort Borderline wurde für diese Krankheit ursprünglich gewählt, da die Patienten als „Grenzgänger“ zwische Neurose, Psychose und Persönlichkeitsstörung angesehen werden können. Es wird allerdings überwiegend als eigenständiges Krankheitsbild angesehen, was sich bei sorgfältiger Betrachtung differentialdiagnostisch von anderen Störungsformen unterscheiden lässt .Aktuell wird dieses Krankheitsbild auch als „emotional instabile Persönlichkeit“ bezeichnet.
Menschen mit einer vergleichbaren Störung sind zumeist schwer betroffen und stellen auch Fachleute oft vor diagnostische und therapeutische Schwierigkeiten.

Ursachen für das Borderline-Syndrom

Eine allgemeingültige Ursachendefinition gibt es nicht. Eine genetische Schwachstelle scheint ebenso eine Rolle zu spielen wie traumatische Kindheitserlebnisse. Hierzu gehören insbesondere sexueller Missbrauch, Vernachlässigung, emotionale Kälte, physische und psychische Gewalt. Aber auch Phasen langer, unerwarteter Trennung von wichtigen Bezugspersonen in den ersten Lebensjahren können dazu beitragen.
Immer sind intensive, z.T. widersprüchliche Gefühle im Spiel, die die kindliche, noch hilflose Psyche massiv überfordern.
Neuere Hinweise deuten auch auf hirnorganische Veränderungen in Bereichen der emotionalen Gefühlskontrolle hin.

Symptome des Borderline-Syndroms

Vorrangige Symptome des Borderline-Syndroms sind instabile zwischenmenschliche Beziehungen, instabiles Selbstbild, instabiler Affekt, ausgeprägte Impulsivität, wiederholte Suiziddrohungen- und handlungen und Selbstverletzungen sowie ein überdauerndes Gefühl von Leere, Sinnlosigkeit oder Langeweile.
Ein Schlagwort hierzu ist die „Stabilität in der Instabilität“. Borderline Patienten unternehmen oft massive Anstrengungen, um reales oder befürchtetes Verlassen Werden zu verhindern nach dem Motto „ Ich hasse dich, aber verlass mich nicht“. Es besteht ein Muster unsicherer und zugleich intensiver Beziehungen das zwischen den Extremen der Idealisierung und Abwertung schwankt.
Das Selbstbild und Selbstwertgefühl ist brüchig und reduziert.
Weitere regelhafte Beschwerden sind ausgeprägte Ängste, sowohl diffus als auch in Form von Panikreaktionen, Zwangssymptomen, dissoziativen Zuständen , bizarren Körperwahrnehmungen und vor allem depressiven Episoden.
Selbstschädigendes Verhalten zeigt sich auch in unangemessenen Geldausgaben, Substanzmissbrauch, einem überhöhtem Fahrstil, Fressattacken, Essensverweigerung oder riskanten Sexualkontakten.
Zusätzlich können vorübergehend die charakteristischen Symptome einer psychotischen Episode auftauchen mit zum Beispiel stark veränderter Wahrnehmung, hoch misstrauischen Verkennungen, Störungen des Denkens und Beziehungsideen.

Das Borderline-Syndrom kann sich also in unterschiedlicher Weise je nach Charakterstruktur, Ausprägung der Erkrankung, Lebensumständen und Alter darstellen.

Diagnose und Behandlung des Borderline-Syndroms

Eine frühzeitige Inanspruchnahme eines Spezialisten, zunächst sicherlich ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ist wichtig und wegweisend.
Zur Diagnosefeststellung sind eine genaue Anamnese und ausführliche, professionelle Gespräche mit dem Betroffenen, oft auch mit seinen Angehörigen, notwendig.
Wegweisend sind die oben genannten Symptome, die wechselhaften Befindlichkeitsstörungen, die Beeinträchtigung in unterschiedlichsten Lebensbereichen, das Andauern der misslichen Lage und oft bereits gescheiterte Therapiemaßnahmen.
Es entwickeln sich zunehmend speziell auf das Borderline-Syndrom zugeschnittene Therapieangebote. Zurzeit wird unter anderem die Dialektische Behaviorale Therapie als sehr wirksame Behandlungsoption angesehen. Hierbei wird zum Beispiel versucht, anstelle der ungünstigen Verhaltensweisen neue Muster, sogenannte „Skills“ mit den Patienten zu erarbeiten.
Eine andere Möglichkeit sind mehr psychodynamische Ansätze (z.B. TFP), in denen symptomorientiert sich wiederholende selbstschädigende Mechanismen differenziert durchgearbeitet und schädliche Denkmuster ersetzt werden.
Auch schlichtes Achtsamkeits-und Selbstsicherheitstraining kann helfen, Gefühle besser zu kontrollieren und im Kontakt mit anderen Menschen sicherer zu werden.
Spezielle traumatherapeutische Maßnahmen kommen zum Einsatz, wenn hier Schwerpunkte in der Lebensgeschichte zu finden sind.
Medikamente können symptomspezifisch hilfreich sein, vor allem wenn eine Depression im Vordergrund steht, lösen aber das strukturelle Grundproblem der Erkrankung nicht.
Grundsätzlich wichtig und unersetzlich ist eine kontinuierliche und vertrauensvolle Kontaktmöglichkeit zum Arzt und Therapeuten.