Dramatherapie: Mach doch mal Theater, das hilft!

In der Kunsttherapie wird malerisch oder gestalterisch etwas erschaffen. Die Musiktherapie hat den Klang als Medium des Ausdrucks. Und in der Dramatherapie sind es die Patienten selbst, die im spielerischen Prozess, durch das Ausprobieren von Rollen und Emotionen, neue Wege zu sich, zu den eigenen Problemen und kreativen Lösungsstrategien gewinnen. Petra Grau leitet und betreut in der BetaGenese Klinik in Bonn die Dramatherapie und unterstützt die Gruppe dabei, sich auszuprobieren, innere Konflikte im geschützten Raum des Theaterspiels zu bearbeiten, Gefühle heraus oder herein zu lassen und mit ein bisschen Drama wieder fester im Leben anzukommen.

„Die Dramatherapie gehört zu den Kreativtherapien und verbindet auf (theater-)spielerische Art und Weise Aspekte der Psychotherapie und des Schauspiels. Patienten können experimentieren, in Rollen schlüpfen, in die sie sich im echten Leben nicht trauen oder in denen sie sich unwohl fühlen,“ erklärt Petra Grau. Vor jeder Therapiesitzung bespricht die studierte Musiktherapeutin mit der Gruppe, wie sie sich fühlt. Welche Emotionen und Konflikte im Raum stehen und überlegt, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer spielerisch und therapeutisch dahingehend aktiviert werden können. „Manchmal lasse ich sie zu Beginn durch den Raum gehen und rufe ihnen Regieanweisungen zu. Das bedeutet, sie sollen eine bestimmte Körperhaltung annehmen, die zum Beispiel Kraft oder Selbstbewusstsein ausdrückt. Oder ich lasse die Patientinnen und Patienten eine bestimmte Emotion spielen, einen befreienden Wutschrei oder ein kindliches, lautes Lachen. Als Gruppe fällt das leichter und die Scheu ist weniger groß.“

Zur Bildergalerie: In der Dramatherapie werden Emotionen gespielt, um sich ihrer bewusst zu werden und sich ausdrücken zu lernen.

Nach dem Gespräch und der Aufwärmphase wird in vielen Fällen die Bühne freigegeben. „Das bedeutet, dass ein oder mehrere Patienten auf die Bühne, ein bestimmter Teil des Raumes, kommen und mit therapeutischem Hintergrund in Einzel- oder Rollenspiel eine Situation oder Szene spielen,“ so Petra Grau weiter.

Dramatherapie: Aus sich selbst herauskommen, ausprobieren, spielen

Was gespielt wird, hängt von den Bedürfnissen der Patienten ab. Manchen hilft es, einfach einmal die Rolle zu wechseln und mit der Distanz des Theaters jemand anderer zu sein. „Das kann jemand aus dem eigenen Umfeld sein, zum dem das Verhältnis problematisch ist oder eine Situation, die man gern einmal spielerisch umgestalten und neu erleben würde.“ Die geschützte Umgebung der Bühne, in der es keine Konsequenzen für den Alltag gibt, lässt manche aufblühen und Charaktereigenschaften spielen, die sie sich im realen Leben gar nicht zuschreiben oder -trauen würden. „Das nehmen sie dann mit aus der Dramatherapie. Dass es in ihnen steckt und wie sie es heraufbeschwören können.“ In anderen Sitzungen verteilt Petra Grau auch gezielt Rollen an die Patientinnen und Patienten, deren Eigenschaften und Spiel therapeutisch wirken soll. „Sie lernen spontan zu sein und etwas ganz Neues auszuprobieren. Andere Rollen, Emotionen an sich und den anderen der Gruppe auszuprobieren und die Wirkung im direkten Feedback zu erfahren.“ Auch hier nehmen die Patienten etwas für den Alltag mit. Das Wissen, eine Eigenschaft, ein Verhalten, eine Reaktionsmöglichkeit ist da und kann abgerufen werden.

Petra Grau ist Dramatherapeutin in der BetaGenese Klinik in Bonn.

In der Dramatherapie machen nicht alle Patienten gleichzeitig mit. Es gibt keinen Zwang, kreativ-therapeutisch aktiv zu werden. Auch die Zuschauerpositionen helfen den Darstellenden ihre Wirkung zu erfahren und mit der eigenen Empfindung beim Schauspiel zu vergleichen. „Die Zuschauer sind wichtige Spiegel. Sie können beurteilen, wie die Darstellung zum sonstigen Verhalten des Mitpatienten passt und ihm die Wirkung erklären. Denn eine Diskrepanz zwischen Selbst- und Außenwahrnehmung ist bei Patienten mit psychosomatischen Beschwerden häufig Teil des Problems.“

 

Als Zuschauer gehen die Patientinnen und Patienten auch emotional mit, erleben das Gespielte und können Ideen für das eigene Verhalten daraus ziehen. „Andere bekommen Lust am spielerischen Austesten der eigenen Möglichkeiten und gehen in der nächsten Sitzung selbst auf die Bühne. Dann habe ich einen Zugang zum Patienten bekommen und er ist bereit, das Werkzeug Schauspiel für die eigene Genesung auszuprobieren,“ schließt Petra Grau.

Titelbild: Miguel Bruna auf unsplash