Musiktherapie in der BetaGenese Klinik – Gefühlen Töne geben

Musik ist eine Möglichkeit, Gefühle auszudrücken. Sie ist aber auch ein Weg, Gefühle an die eigene Oberfläche zu holen, um sie erleben und verarbeiten zu lernen. Hiermit arbeitet die Musiktherapie in der BetaGenese Klinik in Bonn. Sie ist Teil der Kreativtherapien und gibt den Patientinnen und Patienten akustischen Raum, ihrem Inneren Luft zu machen. Petra Grau ist Musik- und Dramatherapeutin in der BetaGenese Klinik und weiß, wie Klänge bei psychosomatischen Patientinnen und Patienten therapeutisch wirken und helfen können.

Die Musiktherapie ist Teil des ganzheitlichen Therapieansatzes. In ihr ist auch die Dynamik der Gruppe als Ganzes gefragt. Bevor die Musik- und Geräuschinstrumente zum Einsatz kommen, besprechen die Patientinnen und Patienten, wie es ihnen geht. Anschließend wird ein Thema, ein zu behandelnder Konflikt oder ein Gefühl, festgelegt. Dieses arbeitet die Gruppe gemeinsam musikalisch auf. Viele Themen sind Wiederkehrende und fußen natürlich auf dem, was in der Gruppentherapie besprochen und bearbeitet wurde. „In der Musiktherapie nutzen wir dann die Instrumente, Töne und Klänge für die non-verbale Bearbeitung von Konflikten und Emotionen,“ erklärt Petra Grau.

Ein Weg ist die Aufstellungsarbeit. Hierbei weist der Patient sich und einigen Mitpatienten Instrumente zu, mit denen dann ein Aspekt, der sie bewegt, musikalisch dargestellt wird. „Ist der Patient sehr zurückgezogen, wählt er etwa ein leises Instrument, um dies zu verdeutlichen. Der dominanten Mutter wird beispielsweise etwas sehr lautes zugewiesen und den Geschwistern leicht unangenehm klingende Melodie- und Geräuschinstrumente, die im Hintergrund zu hören sind,“ beschreibt Petra Grau eine mögliche Aufstellung. „Die Patienten kennen die Probleme ihres Mitpatienten aus anderen Therapiebausteinen und arbeiten sozusagen gemeinsam mit ihm daran, es hörbar zu machen. Das stärkt, neben dem therapeutischen Aspekt für den einzelnen, die Gruppe an sich,“ beschreibt Petra Grau. Der Betroffene erlebt durch die Musik die Situation mit anderen Sinnen und wird anders berührt als in der Gesprächstherapie.

 

Zur Galerie: Die Instrumente und Möglichkeiten in der Musiktherapie sind vielfältig.
Petra Grau unterstützt die Patientinnen und Patienten dabei, die richtigen Instrumente für die jeweiligen Emotionen zu finden.

 

Musik schafft eine innere Verbindung

„Wir haben auch Patienten, die noch nicht ganz in der therapeutischen Arbeit angekommen sind, obwohl das zu bewältigendes Problem psychosomatisch erkannt wurde. Sie haben dann noch nicht den richtigen Zugang zu sich selbst gefunden, um sich therapeutisch damit auseinander setzen zu können. Hierbei kann die Musik die verschlossene innere Tür öffnen,“ erklärt die Musiktherapeutin. Musik kann psychische Barrieren überwinden, beziehungsweise überwindbar machen. Dadurch, dass sie den Menschen emotional anspricht, kann sie psychische Abwehrmechanismen umgehen und verdrängte Gefühlsanteile zutage fördern. „Und wenn dann eine gefühlte Verbindung zum Konflikt da ist, kann er im weiteren Gespräch besser behandelt werden. Das kann für die Patienten sehr befreiend sein – allein durch die Kraft der Musik,“ schließt Petra Grau.

Einfach mal laut sein

Ähnlich wie in der Dramatherapie ist Musiktherapie auch immer ein Ausprobieren. „Das Instrument wird zur eigenen Stimme und die Patienten können hier einfach einmal – auf abstrahierter Ebene – aus sich herauskommen. Einige schlagen klangvoll den Gong, andere hauen kräftig auf die Trommel. Das kann auch einfach mal Spaß machen, das eigene Selbstbewusstsein stärken oder Dampf ablassen,“ erläutert Petra Grau einen weiteren therapeutischen Aspekt. Dies kommt vor allem im therapeutischen Einzel zum Einsatz, wenn sich Patienten zum Beispiel in der Gruppe zurückhalten. „Dann arbeiten wir im geschützten Kreis mit verschiedenen Instrumenten und suchen die richtigen Instrumente für die individuellen Bedürfnisse,“ erklärt die Musiktherapeutin der BetaGenese Klinik in Bonn abschließend.