Psychosomatische Klinik

Psychosomatische Kliniken und die dazugehörigen Facharztspezialisierungen sind in Deutschland seit einigen Jahren den psychiatrischen Kliniken an die Seite gestellt worden, um der Tatsache gerecht zu werden, dass psychische Befindlichkeitsstörungen zumeist mit einer Reihe von körperlich erlebten Symptomen einhergehen und oftmals auch schwere und therapieresistente körperliche Beschwerden ohne ausreichende organmedizinische Erklärung und Behandlungsoption bleiben.
Die Patienten haben im Vorfeld Ärzte verschiedener Fachrichtungen aufgesucht, eine psychosomatische, bzw. interdisziplinäre Diagnostik und Therapie ist ihnen empfohlen worden.

Die Abgrenzung zu psychiatrischen Kliniken ist nicht klar definierbar und einheitlich, viele Klinikkonzepte integrieren beide Fachgebiete mit unterschiedlicher Schwerpunktbildung.
Psychosomatische Kliniken haben mit nur wenigen Ausnahmen keine sogenannten „geschützten Unterbringungsmöglichkeiten“, das heißt Suizidalität, akute Psychosen mit Wahnvorstellungen, Manien, dementielle Abbauprozesse und Alkohol-oder Drogenentzugsbehandlungen gehören hier nicht hin.

Psychosomatische Kliniken bieten allerdings meistens ebenfalls, wie psychiatrische Häuser sowohl ambulante, als auch tagesklinische und vollstationäre Behandlungen an.
Der stationäre Aufenthalt beträgt durchschnittlich 6-10 Wochen, es sind aber auch kurzzeitigere Kriseninterventionen möglich.
Fachlich geleitet wird eine psychosomatische Klinik am besten von einem Arzt/Ärztin mit der Fach-Qualifikation Psychosomatik und Psychiatrie/Psychotherapie, auch internistische und schmerztherapeutische Kenntnisse sind notwendig.
Entscheidend für ein erfolgversprechendes Behandlungskonzept ist allerdings ebenso ein interdisziplinäres Mitarbeiterteam mit differenzierter, multimodaler Zusammensetzung. Hier vor allem ärztliche Kollegen anderer Fachgruppen, spezialisierte Psychologen, Gestaltungs-Musik und Kunsttherapeuten, Körpertherapeuten und Sportwissenschaftler sowie ein kompetentens Pflegeteam.

Diagnostik

Die psychosomatisch-psychiatrische Diagnostik basiert zunächst mal auf einer sehr ausführlichen Anamnese, der Durchsicht sämtlicher Vorbefunde und der aufmerksamen Beachtung aller möglicher Einflussfaktoren der Lebenssituation. Auch angeborene „Schwachstellen“ und epigenetische Einflüsse sind bedeutsam. Ein sorgfältiger aktueller psychopathologischer Befund und weitere Testungen sind ebenso wichtig wie eine eingehende internistische und neurologische Untersuchung. Weitere Fachrichtungen können involviert werden.

Behandlungsschwerpunkte einer psychosomatischen Klinik

Grob orientierend gibt es zwei Gruppen von Erkrankten: Es zeigen sich belastende Beschwerden, für die keine ausreichenden körperlich-organischen Befunde erhoben werden können ( hier z.B. Schwindel, Schlafstörungen, unspezifische wandernde Schmerzen, Atemnot, Enge-Gefühl in der Brust etc. ); oder körperliche Symptome und Erkrankungen können benannt werden und sind sichtbar, ausschließlich somatische Interventionen führen aber nicht zum gewünschten Heilungserfolg. Zu solchen Krankheiten gehören beispielsweise viele Hauterkrankungen, Magen-Darm-Leiden, Bluthochdruck, allergische Probleme oder Rückenschmerzen.
In der Umgangssprache finden solche Verknüpfungen häufig Ausdruck; so sagen wir: „da kriege ich die Krätze“ „das ist zum Kotzen“, „das halte ich im Kopf nicht aus“, „das schlägt mir auf den Magen“ oder „da bleibt mir das Herz stehen“.

Hier ein Überblick über die wichtigsten psychosomatischen Krankheitsbilder :

  • Angststörungen (generalisierte Angststörung, Panikstörung, Phobien)
  • Affektive Erkrankungen (Depressionen, starke Stimmungsschwankungen)
  • Nicht-organische Schlafstörungen (mindestens 70% aller Fälle)
  • Belastungsreaktionen auf Lebensereignisse (von der Anpassungsstörung bis zur posttraumatischen Belastungsstörung)
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Dissoziative Reaktionen und Konversionssymptome
  • Zwangsstörungen
  • Störungen des Essverhaltens (Magersucht, Bulimie, Binge-eating)
  • Somatoforme Syndrome (Somatisierungsstörung, hypochondrische Syndrome, somatoforme Schmerzstörung etc.)
  • Ebenfalls eine Indikation mindestens für einen psychosomatischen Check-up sind :
  • plötzlich aufgetretener Bluthochdruck, vor allem, wenn er schwer einstellbar ist.
  • Zunehmende Kopfschmerzen und/oder Migräneanfälle
  • Rückenschmerzen
  • Chronische Müdigkeit
  • Autoimmunerkrankungen
  • rezidivierende Hauterkrankungen
  • Magen-Darm-Leiden

Inzwischen gehen renommierte psychosomatische Konzepte davon aus, dass „Erkrankung“ genauso wie „Heilung“ grundsätzlich ein Somato-psychischer bzw. ein Psycho-somatischer Prozess ist und sich daraus die therapeutischen Möglichkeiten ergeben.

Dementsprechend sollte zum Beispiel gerade bei schwierigeren oder chronischen Krankheitsverläufen mit diffuser, wechselhafter Symptomatik somatisch und psychosomatisch arbeitende Fachrichtungen immer im Dialog miteinander sein und sich nicht als Dualismus, als „entweder oder“ sehen, sondern als ein „sowohl als auch“.

Diagnose

So steht die intensive oben beschriebene Diagnostik am Anfang eines stationären Aufenthalts, gefolgt von einem individuellen, interdisziplinären und undogmatischen therapeutischen Prozess.
Bausteine sind hier vor allem Psychotherapie (überwiegend tiefenpsychologisch, verhaltenstherapeutisch, hypnosystemisch mit imaginativen und traumatherapeutischen Elementen) einzeln und in der Gruppe unter Einbeziehen der wichtigen familiären Bezugspersonen, wenn erforderlich. Ergänzt wird dieses durch verschiedenste kreative Sondertherapien (Musik, Gestaltung, Drama) und spezielle körper- und sporttherapeutische Maßnahmen.
Regelmäßige ärztliche Kontakte und medikamentöse Behandlung gehören auch dazu.

In diesem Sinne ist das spezifische an psychosomatischer Therapie ein komplett ganzheitlicher Ansatz.