Chronischer Schmerz

Schmerz ist heutzutage der häufigste Grund, weshalb ein Arzt aufgesucht wird und der häufigste, warum er wieder gewechselt wird.
Betrachtet man die kontinuierlichen medizinischen Fortschritte hinsichtlich Anästhesie, Schmerzmedikation, Operationsverfahren und Medizintechnik, müsste die westliche Gesellschaft zunehmend schmerzfreier werden.
Das Gegenteil ist aber der Fall.
Jedes dritte Schulkind klagt über Kopfschmerzen, jeder zweite Erwachsene über relevante Rückenschmerzen und immer mehr Menschen entwickeln eine chronische Schmerzkrankheit, d.h. sie werden ihre Schmerzen gar nicht mehr los. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, wie Schmerz entsteht, wie er aufrechterhalten wird, wie und warum er sich verändert und persistiert werden immer differenzierter.

So ist chronischer Schmerz ein eigenständiges Krankheitsbild und funktioniert anders als akuter, frischer Schmerz (Stichworte Neuroplastizität, Schmerzgedächtnis, Sensibilisierungsprozesse etc.).

Zudem wird mit dem Begriff der „Chronifizierung“ versucht, multidimensional somatische, psychologische und soziale Faktoren zu erfassen, die den Prozess der Loslösung des Schmerz-Symptoms von seiner ursprünglich (meist akuten) Ursache beschreiben und erklären.

Ursachen für chronischen Schmerz

Die Ursachen für chronischen Schmerz lassen sich in drei Kategorien einteilen. Zum einen können chronische Schmerzen ein Begleitsymptom einer körperlichen Erkrankung, wie z.B. Rheuma, Arthrose, Osteoporose sein. In diese Kategorie gehören auch Phantomschmerzen, welche nach einer Amputation auftreten können.

Des Weiteren können zum Teil körperliche Schmerzen mit psychischer Begleiterkrankung für chronischen Schmerz sorgen. Das bedeutet, dass sich körperliche Beschwerden, wie z.B. ein Gewebeschaden durch psychische Faktoren verschlimmern können.

In die dritte Kategorie gehören chronische Schmerzen, die durch eine psychische Begleiterkrankung ausgelöst werden, wie zum Beispiel bei Depressionen, Angststörungen oder psychischen Erkrankungen.

Symptome von chronischem Schmerz

Die Symptome von chronischem Schmerz erklären sich im Grunde mit dem Krankheitsbild selber. Hierbei handelt es sich um einen langanhaltenden Schmerz, der über einen Zeitraum von mehreren Monaten fast immer vorhanden ist. Darüber hinaus schränken chronische Schmerzen den Betroffenen körperlich sowie seelisch in Form von Funktionseinschränkung und der daraus resultierenden Befindlichkeit stark ein.

Behandlung von chronischem Schmerz

Zunächst bedarf es einer umfassenden Diagnostik der Schmerzsymptomatik, relevanter Begleit- oder Grunderkrankungen sowie einer detailgenauen Abklärung des bisherigen Therapieverlaufs, der Therapieresistenz.

Für die Behandlung von chronischem Schmerz ist ein interdisziplinärer, fachübergreifender sowie multimodaler, psycho-somatischer Therapieansatz hier obligat.
Dieser ist klar abzugrenzen zu multi-und polypragmatischen, oft immer invasiveren Interventions-Kompositionen, die neben weiterer Therapieresistenz auch Zusatzschäden und schwere Abhängigkeitserscheinungen verursachen können.

Je chronifizierter und therapieresistenter eine Schmerzerkrankung ist, umso unbedeutender wird die Frage nach der „eigentlichen Ursache“ und deren „somatischen Befund“.
In den Vordergrund treten vielmehr Überlegungen zu „Warum hält es sich so lange und womit lässt es sich begrenzen?“

Therapeutische Möglichkeiten, die geeignet sind, zentrale und periphere Sensibilisierungen, ungünstige neuronale plastische Umbauprozesse und das Schmerzgedächtnis positiv zu beeinflussen
zielen darauf ab, Dauerstress (physisch, psychisch und neurobiologisch) zu reduzieren. Aufmerksamkeit umzulenken, Wahrnehmung zu steuern, die schmerzhemmenden Systeme auf allen Ebenen (peripher, spinal, Hirnstamm, Thalamus, Cortex, Bewusstsein) zu stärken, das vegetative Nervensystem zu unterstützen und psycho-physische Blockaden zu lösen.

Grundsätzlich gibt es bei chronischen Schmerzkrankheiten, unabhängig davon wie ausgeprägt der psychische bzw. der physische Anteil sein mag, keine Standardtherapie, vielmehr sollte die individuell passende Therapie der Standard sein.