Chefärztin Carmen Fargel im Interview über Jugendlichen-Psychosomatik

Die psychosomatische Medizin der BetaGenese Klinik orientiert sich an den Bedürfnissen der Patienten. Im Sommer 2017 erweitert die Klinik am Bonner Bogen ihr Therapiespektrum um den wichtigen Behandlungsschwerpunkt der Jugendlichen-Psychosomatik. Im Gespräch erläutert Chefärztin Carmen Fargel, was die Herausforderung in der Arbeit mit jungen Erwachsenen ist und welche Behandlungsschwerpunkte die BetaGenese Klinik anbietet.

In der BetaGenese Klinik werden zum Sommer sechs ambulante und zehn stationäre Therapieplätze für junge Erwachsene ab 16 Jahren geschaffen. Wie kam es zu der thematischen Erweiterung?
In der Zeit der Adoleszenz wirken viele Faktoren auf Jugendliche ein. In der Pubertät entwickelt sich der Körper und vor allem strukturiert und vernetzt sich das Gehirn neu. Die sozialen und schulischen Anforderungen verändern sich und die Heranwachsenden werden mit neuen Wahrnehmungen ihrer selbst und anderer konfrontiert. Damit kann nicht jeder gleich gut umgehen. Wir erfahren im Arbeits- und Klinikalltag zunehmend, dass Eltern oder Jugendliche sich bei uns melden und differenzierten Behandlungsbedarf haben.

Mit meinem Kollegen Dr. med. Marcel Lüssem haben wir einen versierten Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie im Team. Gemeinsam haben wir das das Team um weitere Spezialisten ergänzt: Dr. Karin Wäsch und ab August Dr. Sandra von den Driesch. Durch eine ganzheitliche Behandlung kann durch erfahrene Therapeuten so frühzeitig verhindert werden, dass aus problematischen Lebenssituationen in jugendlichem Alter psychosomatische Erkrankungen des Erwachsenen resultieren. Aus Erfahrung weiß ich, wie hilfreich es für junge Menschen ist, den Absprung zu wagen, sich Hilfe zu suchen und diese anzunehmen.

Viele Jugendliche und Eltern sind gehemmt, sich Hilfe zu suchen.
Es zeugt von Stärke, sich den eigenen Problemen zu stellen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Etwa zehn bis zwanzig Prozent aller Kinder und Jugendliche haben psychische oder psychosomatische Probleme, die sich beispielsweise in Schulangst oder Depression manifestieren. Diese Problematik wird jedoch nur selten erkannt, da die Veränderungen dem Heranwachsendenalter und -status zugeschrieben werden.
Deswegen bleiben viele Jugendliche unbehandelt und können sich allein nicht helfen. Mädchen entwickeln durch ein falsches Frauenbild in den Medien oder weil sie in der Schule gehänselt werden beispielsweise Essstörungen. Jungs, die nicht sportlich sind, bekommen Schulängste und wollen nicht mehr aus ihrem Zimmer. In der Jugendlichen-Psychosomatik der BetaGenese Klinik werden wir sensibel und gezielt mit den Jugendlichen an ihren individuellen Themen und Problemen arbeiten.

Welche Therapieformen sieht die Jugendlichen-Psychosomatik vor?
Das ist im Einzelfall vom Beschwerdebild abhängig. So stehen bei Jugendlichen neben den Diagnosen des Erwachsenenspektrums oft Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Schule, Ausbildung und dem persönlichen Umfeld im Vordergrund.

Hierfür eignen sich neben der Einzel- und Gruppenpsychotherapie besonders kreative Herangehensweisen wie Kunst-, Musik-, Tanz- oder Theatertherapie, in denen Jugendliche auch nonverbal eine Ausdrucksform erleben und ein Experimentierfeld haben. In den vielfältigen Gruppenangeboten wiederum können sie Wirkung und Auswirkung ihres Verhaltens im sozialen Zusammenhang erkennen und gestalten.

Im Weiteren bietet vor allem auch Bio- und Neurofeedback gute Ansätze, um Zusammenhänge zwischen Psyche und Körper zu veranschaulichen, kontrollierbarer zu machen und sich so selber besser kennen zu lernen. In den verschiedenen körpertherapeutischen Verfahren können die jungen Menschen die dauerhaften Wechselwirkungen zwischen körperlichen, seelischen und geistigen Vorgängen erleben. Zusätzlich zur Aufarbeitung des Problematischen und Leidvollen entwickeln wir zusammen mit den jungen Patienten hilfreiche Strategien und Werkzeuge, um den weiteren Lebensalltag positiver gestalten zu können.

Wie sieht das Behandlungskonzept speziell für Jugendliche in der BetaGenese Klinik aus?
Durch die enge Zusammenarbeit mit der Beta Klinik können wir die Jugendlichen umfassend betreuen. Es ist jederzeit eine konsilärztliche Versorgung gegeben. Hier kann der körperliche Zustand der Jugendlichen jederzeit untersucht werden und Beschwerden behandelt werden. Eltern und Angehörige können sich darauf verlassen, dass die jugendlichen Patienten während ihres stationären Aufenthalt in der BetaGenese Klinik gut versorgt sind.

Die Behandlungen in der BetaGenese Klinik erfolgen immer in sogenannten Gruppen, die in sich eine kleine familiäre Einheit bilden. Natürlich beziehen wir auch Freunde und Familie der Patienten ein. In regelmäßigen Gesprächen mit Bezugspersonen gehen wir individuell auf Schwierigkeiten im außer-klinischen Kontext ein. In ambulanten Therapieplätzen behandeln wir auch Jugendliche, die trotz ihrer psychosomatischen Schwierigkeiten noch Zuhause wohnen können.

 

Als Privatklinik für interdisziplinäre Psychosomatik und Psychiatrie richtet sich das Angebot der BetaGenese Klinik an privat Versicherte und Beihilfeberechtigte. Dennoch sind immer mehr Krankenkassen – darunter besonders die Techniker Krankenkasse – bereit, sich mit Einzelfallgenehmigung am Tagessatz des stationären Aufenthaltes zu beteiligen.